12.12.2004

Ich habe mir wieder Blattfische gekauft - fünf Exemplare diesmal. Im Unterschied zum ersten (leider fehlgeschlagenen) Haltungsversuch, habe ich jetzt viel mehr Vorsicht gleich zu Beginn walten lassen:

Ich habe die Blattfische schnell nach ihrem Eintreffen beim Händler übernommen und habe eine dreistündige Eingewöhnungsprozedur mit ihnen vorgenommen um sie sehr vorsichtig an ihre bevorzugten Wasserwerte zu gewöhnen.

Es sind vier mittlere und ein kleiner Blattfisch - mittlere so, wie ich sie auch beim ersten Mal hatte. Der kleine ist halb so groß. Alle fünf sitzen jetzt in einem Becken mit Osmosewasser bei zunächst 500 µS/cm, pH 6,5 und 27°C.

Einer der vier "großen" ist in Gelbtönen gefärbt, die anderen dunkel - etwa graubraun.

Der erste von mir - ob der schlechten ersten Erfahrungen - mit innerem Stoßseufzer vorgenommene Fütterungsversuch hat aber sehr zu meiner Freude hervorragend funktioniert: Die ersten vier Neons (P. innesi) waren spätestens fünf Minuten nach ihrem Einsetzen in das Blattfischbecken nicht mehr zu sehen!

13.12.

Heute habe ich das dann endlich mal beobachtet - oder auch wieder nicht - ein Neon schwamm in Richtung eines Blattfisches und war plötzlich verschwunden. Ich hatte noch ein undefinierbares Geräusch gehört, sowas wie ein "Platschen" unter Wasser oder so......aber direkt gesehen habe ich das ganze nicht, weil sich zwischen mir und dem "Event" ein paar Blätter der Riesenvallisnerien befanden. Der Blattfisch machte danach noch ein paar Einrenkbewegungen mit seinem Maul, aber das war es dann auch schon - kein Kauen und Schlucken wie beim Chaca.

Das Blattfischbecken wird noch von einem Paar Ancistrus pirareta bewohnt, die gerade ihre neueste Brut aus ihrer Höhle entlassen haben. Ich bin gespannt, ob die Blattfische Reaktionen im Hinblick auf die zahlreichen kleinen Ancistren zeigen.
Bemerkt haben sie das Gewusel inzwischen schon, man kann es an den Kopfbewegungen der Blattfische erkennen, die sich immer in Richtung potenzieller Futterbewegung drehen, aber zugeschnappt haben sie bisher noch nicht - zumindest weiß ich nichts davon.

27.12.2004
Nach längeren Suchereien in dem Becken habe ich inzwischen keinen der Ancistrus-Winzlinge mehr gesehen - sie werden offensichtlich von den Blattfischen gefressen.

Alle Blattfische - auch der kleine - gehen gut ans Futter.

Ich kann ja nun darüber spekulieren, wieso der erste Blattfisch-Versuch im Gegensatz zu diesem leider nicht erfolgreich gewesen ist:
Kann das Fangverhalten der Blattfische durch zu hohen pH-Wert und zu hohen Leitwert resp. zu langer Verweildauer in diesen Wässern (vor dem Kauf durch mich) derartig beeinträchtigt werden, dass sie nicht mehr funktionstüchtig Beute machen können?

Im Moment favorisiere ich aber die Vorstellung von einer Vorschädigung der Tiere durch Transport und Hälterung......

Sie sind übrigens imstande, einen ausgewachsenen Roten Neon zu schlucken, was ich nun wirklich nicht gedacht hätte! Meine früheren Befürchtungen, alle dargebotenen Futterfische seien eventuell zu groß gewesen, ist damit hinfällig geworden.

Zur Zeit bin ich dabei, mich auf die erhöhten Lebendfutteranforderungen der Zukunft einzurichten - ich habe mir mehrere hochträchtige Guppiweibchen besorgt, die teilweise inzwischen schon geworfen haben. Außerdem erwäge ich den temporären Einsatz der größeren Blattfische in meinen anderen Aquarien, in denen sich hier und da noch ein paar mundgerechte Salmler herumtreiben. :)

Sie merken sehr genau, wenn ich neues Futter von oben in das Aquarium gebe. Sie bewegen sich ruckartig in die Richtung, in die sich meine Hand bewegt und je länger sie nichts gefressen haben, desto hektischer sind sie dabei.
Die beiden größten habe ich inzwischen in das Diskusbecken umgesetzt, in dem sich zehn große Rote Neons befinden...

Das Überleben in dem wesentlich größeren Becken ist offensichtlich nicht so ganz einfach: Der Zehnertrupp Neons schwimmt immer ziemlich geschlossen genau an den Stellen, die sich im freien Wasser und weitab von jeglichen, tarnenden Pflanzen oder Wurzeln befinden.
Das Heranpirschen der beiden großen Blätter sieht dann auch etwas albern aus - die Neons spüren sofort was die Stunde geschlagen hat und ziehen beiseite. Immerhin habe ich heute ein Blatt an ungewöhnlicher Stelle gesehen, es schwebte unbeweglich ganz dicht über dem Bodengrund mit Blick auf die Neontruppe.
Inzwischen haben sie aber ihre Strategie geändert: Sie suchen den Rand einer Tarnumgebung und verharren da - offenbar um dort zu lauern und die Neons auf sich zutreiben zu lassen.

Zumindest zwei der Neons haben sie dadurch endlich erwischt!

Ich glaube, dass die Bedingungen in dem großen Diskusbecken für die Blattfische wohl ihrem natürlichen Habitat ähneln. Das Futterangebot ist hier nicht groß und wenn mal Futterfische in der Nähe sind, dann sind sie hart an der Grenze der Blattfisch-Maulkapazität. Außerdem sind Ausweichmöglichkeiten und große Gebiete mit Freiwasser zum relativ sicheren Herumschwimmen für die Beute in ausreichender Menge vorhanden. Die Jagdszenerie spielt sich deshalb vermutlich inzwischen nachts ab - jeden zweiten Morgen ist der Neonschwarm um ein Exemplar kleiner.

Nach einer etwas kürzeren Durststrecke habe ich einen Schwarm von dreißig Futterfischen in das Aquarium gesetzt und einer der großen Blattfische hat sich doch wirklich als welkes Blatt vor diesem Schwarm flach auf den Boden des Aquariums gelegt und dort gelauert!
Ich wusste im ersten Moment wirklich nicht, ob das Tarnverhalten oder Sterben bedeutete!
Er lag wie tot dort auf dem Boden, unbeweglich, und die potenziellen Opfer schwammen unschlüssig um ihn herum - allerdings in respektvollem Abstand und indem sie immer einen kleinen Bogen um den Blattfisch machten. Wie sie dieses tote Blatt richtig oder vermeintlich einordnen konnten ist mir ein Rätsel.
Nach ca. 10 erfolglosen Minuten richtete sich der Blattfisch wieder auf und verzog sich "schnell" hinter seine Vallisnerien.

Inzwischen höre ich jedes Mal, kurz nachdem das Aquarienlicht ausgegangen ist, mehrmals heftige Platschgeräusche und am nächsten Tag hat sich die Zahl der Futterfische wieder um ein paar reduziert.

Wenn die Blattfische satt sind stehen sie in ganz bestimmten - wie ich meine - festen Deckungen im Aquarium. Der größte von ihnen hat seinen Unterschlupf beispielsweise inmitten eines großen Vallisnerienwaldes - wenn ich ihn suche steht er da praktisch an immer derselben Stelle.

Nach längerer Fastenzeit allerdings verlieren sie "ihre Fassung" und stürzen aus ihren Unterschlüpfen hervor, um einen gerade ins Aquarium gegebenen Futterfischschwarm "anzugreifen". Erfolgreich sind sie dabei manchmal aber nur deshalb, weil die neu dazugekommenen Futterfische am Anfang ziemlich orientierungslos durch das Aquarium schießen und dabei natürlich auch manchmal in die Nähe der Blattfischmäuler kommen. Die Blattfische selber hingegen sind dabei gar nicht mehr so sehr auf Tarnung und Deckung bedacht, was in solchen Situationen ja auch weniger nötig ist.

Sie erwischen jedenfalls an diesen Tagen mindestens einen Futterfisch und haben damit zunächst ihren gröbsten Hunger gestillt. Der Rest spielt sich dann nachts ab.

3.2.06
Heute dachte ich, dass ein mittlerer Blattfisch gestorben war und deshalb flach an der Oberfläche schwamm - falsch! Ich hatte einen Schwarm Zebrabärblinge in das Becken gegeben und dieser Schwarm schwamm immer in einer bestimmten Ecke des Aquariums dicht unter der Oberfläche in einem relativ kleinen Radius hin und her und genau dort trieb auch dieser angeblich verstorbene Blattfisch fast unbeweglich - natürlich nur durch die Oberflächenströmung etwas bewegt - in Richtung Bärblinge.......

12.4.06
Andererseits konnte ich heute zu meinem Entsetzen einen großen Blattfisch per Hand von der Wasseroberfläche nehmen, unter der er nun doch flach und tot schwebte - dachte ich! - nach ca. dreißig Sekunden schnappte er nach Luft und ich beförderte ihn schleunigst wieder in sein Wasser...