Aus einem Mail-Wechsel mit Ann-Susan über allgemeine Fragen des Wasserwechsels ergab sich plötzlich eine höchst interessante Geschichte zur Muschelpflege im Aquarium, die ich hier mit ihrer Genehmigung darstelle:

Eine Schilderung von Ann-Susan zur erfolgreichen Pflege von Teichmuscheln im Aquarium:

Ich habe das große Becken auch schon als Altwasserbecken betrieben, ca ein Jahr lang, weil ich Teichmuscheln eingesetzt hatte und dachte, damit würde ich vollkommen natürlich filtern. Damals war der Besatz nicht hoch und das Wasser war auch stabil. Ich hatte sogar den Eheim abgezogen, weil ich nicht wollte, daß dieser den Muscheln die Nahrung nimmt und nur noch den Fluval 4 ohne Filterwatte als Wasserumwälzer in Betrieb. Ich hatte in der Zeit keine Probleme mit dem Wasser, nie Nitrit und Nitrat drin und es duftete immer wie ein Waldsee. Dann hatte der Flösselhecht irgendwann raus, wie man Muscheln knackt und innerhalb einer Woche hatte er alle 4 platt gemacht. Er war schön satt und meine tolle Filterung im Eimer. Daraufhin beschloß ich, wieder auf "normale" Filterung und wöchentlichen Ww umzusteigen und bin dabei geblieben, weil ich ja inzwischen auch einen hohen Fischbesatz habe.

Frage von mir dazu:
Wenn die Muscheln nicht gefressen worden wären - hat denn die Ernährung bei denen ausreichend geklappt?

Ich glaube schon. Ich verzichtete ja auf jegliche Filterung und hatte (habe immer noch) sehr viel Mulm im Becken. Gewandert sind die Muscheln kaum und ich vermute mal, das lag daran, daß es für die Tiere ein außreichendes Nahrungsangebot gab. Sie hielten sich meist in der Nähe der größten Mulmhaufen auf und wuchsen sogar etwas. Ich hatte auch nie dieses kristallklare Wasser, welches viele Aquarianer toll finden. Es befanden sich immer Schwebeteilchen darin. Das ist auch heute noch so, mein Wasser sieht nie "sauber" aus. Wenn ich Besuch bekomme und die Leute in mein Becken schauen, ernte ich fast immer Kritik ( meistens von anderen Aquarianern ). Sie sind der Meinung, mein Wasser ist nicht "gut" und wundern herum, daß meine Fische noch leben. Ich kann dann versuchen zu erklären, daß das Wasser in Ordnung ist, sie verstehen es einfach nicht. Gutes Aquarienwasser hat kristallklar zu sein und so eine braune Brühe muss einfach schlecht sein.

Nachwuchs bekamen meine Muscheln übrigens auch. Das löste bei mir im ersten Moment wieder einmal Panik aus, denn ich dachte sofort an Ichtyo. Eigenartig war jedoch, daß diese Pünktchen die Fische nicht im geringsten zu stören schienen, da war kein Scheuern, kein Japsen, kein komisches Benehmen zu erkennen. Auch waren nicht alle Fische "befallen", die versteckt lebenden Dornwelse hatten beispielsweise keine Pünktchen. Der Labeo, der ja oft an den Muscheln vorbei schwamm, hatte dagegen recht viele "Babys" an den Flossen (so ca. 10 Stück). Gott sei Dank ging ich erst einmal lesen und habe nicht gleich Chemie ins Becken gekippt. So erfuhr ich dann, daß ich Muschelnachwuchs habe.

Allerdings wurde im Netz erklärt, daß Teichmuschelnachwuchs im Aquarium nicht gut ist, weil zuviele Larven auf zu wenig Fische kommen und weil die Larven ja parasitär leben, können die Fische daran eingehen (die Larven sollen sich in den Kiemen der Fische festhaken und bei größerem "Befall" erstickt der Fisch). Natürlich bekam ich es gleich wieder mit der Angst zu tun aber wie es so ist im Netz, fand ich auch bald andere Berichte, die mich wieder beruhigten. Man kann auch über die Teichmuscheln viel lesen, die Einen schreiben von einer Filterleistung bis zu 200 Litern pro Tag, die Anderen von 36 Litern pro Stunde. Manche schreiben, die Larven heften sich an den Kiemen fest, Andere schreiben, sie sitzen nur an den Flossen der Tiere. Was wirklich wahr ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Gesehen habe ich wirklich nur Larven auf den Flossen der Fische. Atemnot bestand zu keiner Zeit und das spricht ja dafür, daß keine bzw. sehr wenige Larven in den Kiemen saßen. Jedenfalls war das Schauspiel nach einer Weile wieder vorbei und ich sah meine "Babys" nie wieder. Entweder war das Futterangebot nicht richtig oder sie wurden einfach aufgefressen.

Inzwischen habe ich gelesen, daß man Teichmuscheln wohl recht gut mit Plankton füttern kann. Bei der Temperatur habe ich versucht, einen Mittelwert zu halten, mit dem Fische und Muscheln halbwegs zurecht kommen. Ich hatte in der Zeit 25 Grad im Becken. Außerdem habe ich für ordentlich Sauerstoffzufuhr gesorgt, welcher ja für Fisch und Muschel gleichermaßen wichtig ist. Teichmuscheln reagieren wohl auch empfindlich auf schadstoffbelastetes Wasser und wenn das Aquarienwasser sehr belastet gewesen wäre, vermute ich jetzt mal, wären mir die Muscheln bestimmt eingegangen. Andererseits kann man mit schadstoffbelastet vielleicht auch industrielle Schadstoffe meinen, Gifte, Öle, Gase, Schwermetalle, was immer der Mensch so in die Gewässer abläst. Ich hoffe jedenfalls, daß ich bei der Pflege der Muscheln nicht allzuviel falsch gemacht habe.
Liebe Grüße, Ann-Susan