30.12.2002
Weil ich das schon seit längerer Zeit wollte habe ich mir heute ein Schreibtischaquarium eingerichtet. In irgendeinem Baumarkt gab es kleine Komplettaquarien mit den Maßen 40x25x25 - fertig mit Abdeckhaube etc., das wären 25 Liter, abzüglich Matte, Sand etc. bleiben 20 Liter Wasser übrig.
Ich weiß natürlich, dass diese Wassermenge für die weitaus meisten Wasserlebewesen, die man so in Aquarien hält, zu klein ist und das es sehr schwer sein wird, in diesem Winzling stabile biologische Verhältnisse zu erreichen und vor allem zu halten.
Andererseits hat ein Schreibtischaquarium den unschätzbaren Vorteil, dass ich es praktisch immer vor Augen habe - es steht genau da, wo meine Hand mit der Computermaus aufhört - und keins meiner Haustiere wird von mir so intensiv beobachtet werden, wie der Inhalt dieses kleinen Aquariums.
Ich weiß noch nicht, was da mal hinein soll - vielleicht ein paar kleine Garnelen oder eine Welsbrut in den ersten Wochen nach dem Schlupf oder Mikrorasboras, die ja gerade mal 1,5 cm lang werden - auf jeden Fall wird das Becken erstmal ein paar Wochen eingefahren.
Für mich inzwischen selbstverständlich habe ich links die kleine Pumpe, die zum Sortiment gehörte und davor eine 5 cm Matte als Mattenfilter installiert. Den Boden bedecken ein paar Zentimeter Spielsand aus dem Baumarkt und das Wasser habe ich bis 2 cm unter die Oberkannte aufgefüllt. Hinter die Matte kam noch eine große Ladung Mulm aus einem eingefahrenen Aquarium, damit die Bakterienbesiedelung schneller vonstatten gehen kann - ich füttere die Bakterien auch gleich mit einer Futtertablette.
Als angenehm empfinde ich die Tatsache, dass der Filterrücklauf offensichtlich nicht das leiseste Geräusch macht.
Der Rückstrahl drückt ein paar Luftblasen unter Wasser, bewegt die Wasseroberfläche und ruft im Sandboden kleine Krater hervor, aber es ist nichts zu hören.
Ich habe schon mal etwas Grün dazugegeben:
Vesicularia dubyana(Javamoos) und Riccia fluitans (Teichlebermoos) - mal seh'n, wie sich das entwickelt.

6.1.03
Nach einer Woche stillen Betrachtens und gelegentlicher Futterzugabe für die Filterbakterien in Form einer Futtertablette setze ich eine Mini-Apfelschnecke dazu, die sich gut hält. Die Pflanzen sind wohl auch schon etwas gewachsen und hängen in der Mitte von der Filtermatte herunter ins Wasser. Die Riccia schwimmt nicht frei, sie hat sich im Javamoos verfangen.
Aber es stimmt - dadurch, dass dieses Miniaquarium auf meinem Schreibtisch steht, wirkt es ganz besonders beruhigend in Zeiten, in denen ich dort aus ganz anderen Gründen, als denen der Betrachtung sitze und arbeiten muss.
Im Moment wirkt es eher wie ein Stilleben, das aber leichte Veränderungen durch die Bewegungen der Wasseroberfläche zeigt, und es würde in diesem Sinne schon zu meiner vollen Zufriedenheit seine Rolle dort spielen, in dem ich die fast unmerklichen Veränderungen durch den langsamen Pflanzenwuchs im Laufe der Zeit bemerken würde - wer weiß, wie das erst mit dem Auftauchen von kleinen, schnellen Lebewesen sein wird. Im Moment denke ich da an ein paar meiner Glasgarnelen, oder vielleicht lieber erstmal nur eine mit Eiern unter dem Schwanz?
14.1.03
Nach zwei Wochen befinden sich zwei kleine Apfelschnecken, zwei Turmdeckelschnecken und eine 3 cm lange Glasgarnele mit Eiern unter dem Schwanz in dem kleinen Becken. In der Mitte liegt eine Wurzel, die von oben den Rücklaufstrahl der kleinen Filterpumpe abkriegt, wodurch unterhalb der Wurzel eine Höhle freigewirbelt wird. Dort scheint sich die Garnele tagsüber zu verstecken.
Füttern tue ich nur gelegentlich mit Futtertabletten, die sich langsam zersetzen und teilweise in einer Ecke kleine, schimmelige Flecken bilden.

20.1.
Die Garnele ist den ganzen Tag ohne ihre Eier unter dem Schwanz herumgeschwommen und nacheiner Weile habe ich doch tatsächlich bei genauerem Hinsehen winzigst kleine Garnelchen hier und da entdeckt! Man entdeckt sie eigentlich nur, wenn man weiß, wie klein die wirklich sind - frisch geschlüpfte Zwerfadenfische sind z.B. ähnlich "unsichtbar".
Am Abend allerdings lag die Muttergarnele tot auf dem Sandboden. Nun habe ich mich ja schon oft von Wirbellosen täuschen lassen, die sich gerade gehäutet hatten und in Wirklichkeit mopsfidel unter irgendeiner Deckung gesessen haben, aber hier sah der Rest nicht nach Haut aus.
Beim Messen der Wasserwerte kam ein Nitritwert von 0,1 heraus, was ja auch langsam zu erwarten gewesen ist beim Einfahren dieses Beckens - Wirbellose scheinen darunter ja nicht zu leiden und die Garnelenkinder sind immer noch unterwegs. Auch den Wasserwechsel von 75% haben sie gut verkraftet. Apfelschnecken und Turmdeckelschnecken sind fleißig zugange...
Ich füttere den Garnelennachwuchs mit etwas Cyclops-EEZE.
Man sieht die fast durchsichtigen Garnelen in ihrer Winzigkeit erstmal nicht auf Anhieb. Erst wenn man sich die vielen Schwebepartikel im Wasser etwas genauer betrachtet, fallen kleine, in der Mitte etwas geknickte Teile auf, die alle die gleiche Größe und Form haben, was sie sofort von Sand- oder Futterschweberesten unterscheidet. Und dann sieht man sie plötzlich alle diese gleichen Knickformen im Wasser schwebend und an den Scheiben und sonstwo sitzend.

1.2.03
Die zwei kleinen Apfelschnecken sind inzwischen gestorben - ich finde zwar ohnehin, dass Apfelschnecken im Vergleich zu anderen Schnecken sehr empfindlich sind, kann mir im vorliegenden Fall aber nur vorstellen, dass das an dem erhöhten Nitrit-Wert gelegen haben kann. Die Turmdeckelschnecken und vor allem die winzigen Garnelchen haben das aber schadlos überstanden.

Ich hatte die zwei Apfelschnecken bestimmt zwei Wochen unberührt im Wasser gelassen, weil die ja eben oft einen leblosen Eindruck hinterlassen, sich in Wirklichkeit aber nur für eine Weile in ihr Haus zurückgezogen haben. Heute habe ich dem Frieden aber nicht mehr getraut und deshalb beide mit einem kleinen Käscher herausgeholt - sie haben doch schon mächtig gestunken!
Aber was befand sich außerdem mehrfach in dem Käschernetz? Kleine Garnelen, die offenbar schon an dem verwesenden Apfelschneckenfleisch herumgefressen hatten!

Inzwischen ist das kleine Schreibtischbecken wohl eingefahren. Das Teichlebermoos verbreitet sich langsam an der Oberfläche und die Futtertabletten zersetzen sich und werden früher oder später mit einer Schimmelschicht überzogen, die aber von den Turmdeckelschnecken und von den Garnelen regelmäßig abgeweidet werden.
Bis auf die Reflexe durch die leicht bewegte Wasseroberfläche und bis auf die Bewegungen des sich im Filterrücklaufstrahl befindenden Teichlebermoses sieht das Becken unbewohnt aus. Die TDS sind meistens im Sand vergraben und die kleinen Garnelen sieht man nur, wenn man ganz genau hinsieht und auch genau weiß, wonach man sucht.

Ich bin mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr so sicher, ob ich hier jemals freischwimmende Fische einsetzen werde. Das würde den Charakter dieses Beckens auf jeden Fall völlig verändern. Im Moment ist es nämlich eins dieser Becken (wie man sie immer in öffentlichen Aquarien findet), in denen versteckt lebende Wasserbewohner leben, die man erstmal nicht sieht, die man schon längere Zeit suchen muss, um sie nach einer Weile zu entdecken, oder auch nicht. Solche Aquarien haben einen ganz eigenen Reiz für mich - anders als die Becken, in denen in der Mitte ein bunter Fisch schwimmt, den man beim ersten Blick in das Becken sofort sieht.

Vielleicht habe ich diese Vorlieben für Unsichtbares aus den vergangenen Sommertagen der letzten Jahrzehnte, an denen ich manchmal nur beobachtend in der Natur herumsaß, um dann nach einer Weile viele versteckte Einzelheiten zu entdecken...........

5.2.03
Die größten der Garnelen sind jetzt ca. 1 cm lang.

10.2.
Ich habe heute zum Zwecke der besseren Beobachtungsmöglichkeit eine kleine durchsichtige Röhre mit Laich von roten Hexenwelsen inclusive laichpflegendem Männchen in das Schreibtischaquarium umgesetzt. Alles scheint problemlos verlaufen zu sein, das Männchen kaut weiter unbeirrt auf seinen Eiern herum.
16.2.
Die erste Larve ist geschlüpft.

Die Beobachtungsmöglichkeiten an einem kleinen Schreibtischaquarium sind doch mannigfaltiger, als das bei meinen Kelleraquarien der Fall ist. Ich beobachte über wesentlich längere Zeiträume. Bestimmte Ereignisse passieren eben auch oft, wenn man nicht davor sitzt - was bei diesem Becken vielfach wegfällt. Ich habe heute z.B. gesehen, dass das rote Hexenwelsmännchen am Tage des Schlupfes seiner Brut praktisch rund um die Uhr sein Gelege durchkaut und gleichzeitig noch damit beschäftigt ist, in die Brutröhre eindringende, kleine Glasgarnelen zu vertreiben. Ich kann mir vorstellen, dass sein Energieumsatz in dieser Zeit immens sein muss, zumal er während der ganzen Brutpflegezeit keine Nahrung zu sich nimmt. Nach ca. zehn Tagen Dauerarbeit rund um die Uhr ist er wahrscheinlich ausgelaugt, braucht dringend Erholung und Futter.




Erleichtert wird die ganze Beobachtung natürlich durch die Tatsache, dass ich hier inzwischen leicht durchsichtige Röhren nehmen kann - die Hexenwelse haben sich einigermaßen schnell daran gewöhnt.
17.2.
Die Brut ist geschlüpft und hängt überall bewegungslos an den Scheiben, leicht durch die Strömung des Filterrücklaufs bewegt.
21.2.
Alle Welse schwimmen frei und bewegen sich im Becken. Ich habe das Männchen und die Röhre wieder entfernt.
22.2.
Alle Welse hängen meistens dicht unter der Wasseroberfläche. Ich beginne mit ersten Cyclop-eeze-Gaben, kann aber noch keine Nahrungsaufnahme erkennen.